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Fahren mit dem Kraftrad unter normalen Bedingungen

Das Fahren eines Kraftrads erfordert mehr Aufmerksamkeit als andere Fahrzeuge. Unsere Silhouette ist schmaler und wir sind verletzlicher. In diesem Thema erläutern wir, worauf es ankommt, um Gefahren vorherzusehen, sich richtig auf der Straße zu positionieren und Fahrmanöver sicher auszuführen.

1. Vorausschauendes und defensives Fahren

Der Kraftradfahrer darf nicht nur reagieren, er muss vorhersehen. Vorausschauendes Fahren ist die Grundlage des defensiven Fahrens.

  • Ziel: Die Bewegungen der anderen Verkehrsteilnehmer vorhersehen (wenn ein Auto bremst, will es vielleicht abbiegen).
  • Verletzlichkeit: Da wir weniger geschützt sind als ein Auto, ist unsere Fähigkeit, Fehlern anderer zuvorzukommen, für unser Überleben entscheidend.

2. Position auf der Fahrbahn und Benutzung der Fahrstreifen

Zu wissen, wo man sich positioniert, ist der erste Schritt, um Unfälle zu vermeiden, besonders auf Straßen außerhalb geschlossener Ortschaften.

Position im Fahrstreifen

Auch wenn in unübersichtlichen Kurven und an Kuppen ohne Sicht grundsätzlich möglichst weit rechts zu fahren ist, sollte das Kraftrad unter normalen Bedingungen nicht zu weit am Rand fahren.

  • Wir müssen im mittleren Bereich des Fahrstreifens fahren.
  • Warum? Um einen seitlichen Mindestsicherheitsabstand zu halten und besser gesehen zu werden.

Benutzung der Fahrstreifen

  • Grundregel: Auf dem am weitesten rechts gelegenen Fahrstreifen fahren.
  • Überholen: Die linken Fahrstreifen benutzen wir zum Überholen, wenn der Verkehr es zulässt.
  • Besonderes Verbot: Auf Fahrbahnen mit Gegenverkehr und drei Fahrstreifen ist es nicht erlaubt, auf dem mittleren Fahrstreifen zu fahren, außer zum Überholen oder zum Linksabbiegen (und niemals überholen, wenn Gefahr besteht).

3. Sicherheitsabstände

Ausreichender Abstand ermöglicht es uns, rechtzeitig zu reagieren. Es gibt zwei Arten von kritischen Abständen: nach vorne und zur Seite.

Abstand nach vorne (Sicherheitsintervall)

Der Raum, den wir brauchen, um bei abruptem Bremsen des vorausfahrenden Fahrzeugs ohne Zusammenstoß anzuhalten.

SituationAnzuwendende Regel
Normale BedingungenEinen Abstand von mindestens 2 Sekunden lassen.
Schlechte Bedingungen / hohe GeschwindigkeitDen Abstand vergrößern (z. B. bei Regen, Nebel).
Ohne ÜberholabsichtGenug Platz lassen, damit ein anderes Fahrzeug uns überholen und sicher auf den Fahrstreifen zurückkehren kann.

Seitenabstand

Er ist sehr unterschiedlich, je nachdem, ob wir innerhalb geschlossener Ortschaften oder auf der Landstraße fahren.

StraßenartFahrmanöverSeitlicher Mindestabstand
Innerörtliche Straßen (geschlossene Ortschaft)Begegnung mit Fahrzeugen oder FußgängernAbstand im Verhältnis zur Geschwindigkeit und zur Breite der Straße.
Straßen außerhalb geschlossener OrtschaftenÜberholen von FahrzeugenMindestens 1,50 Meter.
Begegnung mit anderen FahrzeugenBegegnung mit GegenverkehrAngemessener Seitenabstand (mindestens 1,5 m beim Überholen von Fußgängern/Fahrrädern außerhalb geschlossener Ortschaften).

4. Die Geschwindigkeit

Angemessen ist die Geschwindigkeit, bei der wir das Kraftrad vor jedem Hindernis beherrschen.

Situationen, in denen die Geschwindigkeit zu verringern oder anzuhalten ist

Wir müssen die Geschwindigkeit verringern (und notfalls anhalten), wenn:

  • sich Fußgänger oder Tiere auf der Straße befinden (besonders Kinder oder ältere Menschen).
  • wir uns haltenden Schulbussen nähern.
  • rutschige Fahrbahn, dichter Nebel oder starker Regen herrscht.
  • die Gefahr einer Blendung besteht.

Prüfungswissen! An Kreuzungen, an denen die Sicht praktisch gleich null ist, darf die Höchstgeschwindigkeit 50 km/h nicht überschreiten.

Wahrnehmung der Geschwindigkeit (scheinbare Geschwindigkeit)

Vorsicht vor der „Geschwindigkeitsblindheit“. Nach langer Fahrt auf der Autobahn haben wir beim Verlassen das Gefühl, stillzustehen, obwohl wir schnell fahren.

  • Die Geschwindigkeit entgegenkommender Fahrzeuge ist schwer einzuschätzen (wir sehen nur, dass sie größer werden).

Verringern der Geschwindigkeit

Wenn Sie deutlich bremsen wollen, müssen Sie den nachfolgenden Verkehr warnen.

  • Optisches Zeichen: Wiederholtes Aufleuchten der Bremsleuchten (mehrmals kurz bremsen).
  • Handzeichen: Den Arm mit der Handfläche nach unten von oben nach unten bewegen.

5. Reaktions- und Bremszeiten und -wege

Es ist entscheidend, den Unterschied zwischen Reagieren und Bremsen zu verstehen.

Reaktionszeit

Die Zeit, seit Sie das Hindernis sehen, bis Ihr Gehirn den Befehl zum Handeln gibt.

  • Durchschnittliche Zeit: Etwa 1 Sekunde (zwischen 0,75 und 1 s).
  • Faktoren, die sie verschlechtern: Müdigkeit, Alkohol, Drogen (sie verlängern die Zeit, Sie legen mehr Meter zurück).
  • Reaktionsweg: Die Meter, die Sie in dieser Sekunde zurücklegen.

Bremsweg

Die Meter, die das Kraftrad zurücklegt, seit Sie die Bremse betätigen, bis es zum Stillstand kommt.

  • Nasse Fahrbahn: Der Weg verdoppelt sich.
  • Eis: Der Weg kann bis zu 10-mal länger sein.

Anhalteweg = Reaktionsweg + Bremsweg.

6. Sichtbarkeit und Beobachtung

Um sicher zu fahren, müssen Sie sehen und gesehen werden.

  • Beobachtung: Schauen Sie weit voraus (vorausschauendes Fahren) und benutzen Sie die Rückspiegel (indirekte Sicht). Denken Sie daran, dass die Spiegel tote Winkel haben.
  • Gesehen werden:
    • Immer mit eingeschaltetem Abblendlicht fahren.
    • Kleidung in hellen oder auffälligen Farben tragen.
    • Schutzhelm in heller Farbe.
    • Reflektierende Aufkleber verwenden.

7. Das Überholen

Das Beschleunigungsvermögen des Kraftrads erleichtert das Überholen, beseitigt aber nicht das Risiko.

Schritte für sicheres Überholen

  1. Beobachten: In den Spiegel schauen und sicherstellen, dass uns niemand überholt.
  2. Nach vorne prüfen: Das vorausfahrende Fahrzeug darf nicht links blinken.
  3. Anzeigen: Den Blinker setzen.
  4. Ausführen: Entschlossen beschleunigen und dabei den Seitenabstand halten.
  5. Zurückkehren: Wieder nach rechts fahren, wenn wir das überholte Fahrzeug im Rückspiegel sehen.

Verbote

Verboten ist das Überholen in Tunneln mit nur einem Fahrstreifen je Fahrtrichtung und in Unterführungen, wenn dabei die Gegenspur befahren werden muss.

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