Verkehrsunfälle und das Kraftrad
Das Unfallgeschehen mit Krafträdern ist ein kritischer Punkt der Verkehrssicherheit. Obwohl die Unfälle zurückgegangen sind, bleibt die Schwere der Verletzungen hoch, weil der Fahrer weniger geschützt ist. Im Folgenden behandeln wir die wichtigsten Daten, nach denen in der Prüfung oft gefragt wird.
1. Allgemeine Daten und Statistiken (DGT)
Um die theoretische Prüfung zu bestehen, müssen Sie unbedingt wissen, wann und wie die meisten Unfälle geschehen:
- Häufigste Unfallart: Das Umkippen oder der Sturz des Kraftrads (Abkommen von der Straße).
- Zusammenstoß mit anderen Fahrzeugen: Meist schräg-frontale Zusammenstöße mit Pkw.
- Zeitpunkt: Die meisten ereignen sich am Wochenende und tagsüber (zwischen 8:00 und 16:00 Uhr).
2. Risikofaktoren
Unfälle sind kein Zufall, sondern haben Ursachen. Man unterscheidet drei große Faktoren:
A. Menschlicher Faktor (der wichtigste)
Er ist die Hauptursache.
- Risikoprofil: Männer zwischen 16 und 25 Jahren.
- Vorgeschichte: Ein Drittel der Verunglückten hatte bereits zuvor einen Unfall.
- Ursachen: Mangelndes Gleichgewicht, überhöhte Geschwindigkeit, Alkoholkonsum sowie Imponier- oder Wettbewerbsverhalten.
B. Die Straße und die Umgebung
Der Zustand der Straße ist entscheidend für das Gleichgewicht des Kraftrads (Schlaglöcher, Sand, rutschige Fahrbahnmarkierungen).
- Prüfungswissen: Erstaunlicherweise geschehen mehr als die Hälfte der Unfälle auf Geraden oder in leichten Kurven und bei trockener Fahrbahn (wegen übermäßigen Selbstvertrauens).
C. Das Fahrzeug
- Alter: Anders als man denkt, sind die meisten verunglückten Krafträder neu und haben großen Hubraum (mehr als 50 %).
- Technik: Nur ein kleiner Teil geht auf technische Mängel zurück.
3. Geschwindigkeit und Schwere der Verletzungen
Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen der Aufprallgeschwindigkeit und dem Körperschaden. Merken Sie sich diese Tabelle für die Prüfung:
| Aufprallgeschwindigkeit | Wahrscheinliche Verletzung |
|---|---|
| 60 km/h | Leichte Wunden und Prellungen. |
| 100 km/h | Knochenbrüche an den Gliedmaßen. |
| 120 km/h | Schädel-Hirn-Traumata und schwere innere Blutungen. |
Wichtiger Hinweis: Schon ein Aufprall mit nur 25 km/h ohne Schutzhelm kann ein schweres Schädeltrauma verursachen. Der Schutzhelm ist Pflicht und unverzichtbar!
4. Häufige Verletzungen
Die Schwere hängt von der Körperregion und der Ausrüstung ab:
- Kopf: Schädel-Hirn-Traumata sind die schwerste Verletzung und die häufigste Todesursache. Das Tragen des Schutzhelms verringert dieses Risiko drastisch.
- Obere Gliedmaßen (Arme/Schultern): Sehr häufig, weil man beim Sturz reflexartig die Hände ausstreckt.
- Untere Gliedmaßen (Beine/Knie): Aufprall auf den Asphalt, das Auspuffrohr oder Quetschung durch das eigene Kraftrad.
- Brust/Bauch: Aufprall auf den Lenker.
5. Verhalten bei einem Unfall: PAS-Regel
Wenn Sie an einem Unfall beteiligt sind oder ihn beobachten, gilt eine feste Reihenfolge (P.A.S.):
1. ABSICHERN
Ziel ist es, weitere Unfälle zu verhindern.
- Das Kraftrad an einer sicheren Stelle anhalten.
- Den Motor abstellen.
- Die Stelle absichern (Warnblinklicht, Warndreiecke oder V-16-Warnleuchte).
- Sich sichtbar machen (Warnweste).
- Verletzte nicht bewegen, außer bei unmittelbarer Gefahr (Brand, Gefahr, angefahren zu werden).
2. NOTRUF ABSETZEN
- Die 112 anrufen.
- Genaue Angaben zum Ort und zum Zustand der Verletzten machen.
3. HELFEN
Nur helfen, wenn man weiß, wie, und ohne die Verletzungen zu verschlimmern.
- Goldene Regel: Einem verunglückten Kraftradfahrer DEN SCHUTZHELM NICHT ABNEHMEN.
- Ausnahme: Nur wenn Sie die Technik beherrschen oder wenn es lebenswichtig ist, um ein Ersticken zu verhindern (und Sie das Abnehmen zu zweit beherrschen).
- Vor Kälte oder Hitze schützen (den Verletzten zudecken).
- Nichts zu trinken und keine Medikamente geben.
6. Besondere Erste Hilfe
Blutungen
Die Reihenfolge, um eine starke Blutung zu stillen, ist:
- Direkter Druck: Mit sauberer Gaze oder Kleidung auf die Wunde drücken (mindestens 10 Minuten lang).
- Abdrücken der Arterie: Wenn der direkte Druck nicht ausreicht, auf die Hauptarterie des Arms oder Beins drücken.
- Abbindung: Letztes Mittel. Nur bei Lebensgefahr oder Amputation, da sie das Risiko birgt, die Gliedmaße zu verlieren.
Amputationen
Bei einer unfallbedingten Amputation:
- Die Blutung am Stumpf stillen (direkter Druck und Hochlagern).
- Abgetrenntes Körperteil: In einen sauberen Plastikbeutel legen. Diesen Beutel in einen weiteren Beutel mit Eis stecken. Das Eis darf das abgetrennte Körperteil niemals direkt berühren.
7. Technik bei einem Sturz und Kontrolle
Wie verhält man sich während des Sturzes?
- Das Kraftrad sofort loslassen (es ist schwerer als Sie und kann Sie einquetschen).
- Rutschen und dabei das Gewicht verteilen (Rücken).
- Versuchen, die Füße nach vorne zu bringen.
- Nicht aufstehen, bevor man ganz zum Stillstand gekommen ist.
Kontrolle nach dem Unfall
Wenn das Kraftrad nach einem leichten Unfall in Ordnung zu sein scheint, prüfen Sie vor der Weiterfahrt:
- Pedale und Hebel (nicht verbogen oder blockiert).
- Austretende Flüssigkeiten (Bremsflüssigkeit, Öl, Benzin).
- Zustand von Rädern, Felgen und Rahmen (Fahrgestell).
- Wenn es nicht sicher ist, den Abschleppwagen rufen.
